„Sag Nein!“ – Projekttage am Gymnasium Dippoldiswalde

Flipchart-Nein-MotiveAuch in diesem Jahr wurde am Gymnasium Dippoldiswalde für alle 6. Klassen wieder eine Projektwoche zum Thema „Achterbahn der Gefühle“ durchgeführt. Neben Angeboten zur Selbstverteidigung und Stilberatung gehörte auch das von der Familienberatung durchgeführte Thema „Sag Nein! – Gegen sexuellen Missbrauch“ wie schon seit Jahren zum festen Programm.

Frau Leuthold und Frau Metzner gestalteten mit mehr als 100 Schülern in 7 Gruppen zwei interessante Vormittage, um die 12- und 13-jährigen Schüler und Schülerinnen für das Thema zu sensibilisieren, Wissen zu vermitteln und dadurch präventiv gegen sexualisierte Gewalt vorzugehen.

Im Folgenden soll der Ablauf eines Vormittags kurz vorgestellt werden:

  1. Selbsterfahrung – Im ersten Teil geht es darum, über allgemeine Grenzüberschreitungen im  persönlichen Leben der Schüler zu sprechen. Dazu gehören ganz alltägliche Erlebnisse mit Freunden, Eltern, Verwandten oder auch Lehrern, die den Heranwachsenden unangenehm waren, in denen ihre persönliche Grenze überschritten wurde. Das kann z.B. der Kuss einer Tante oder eines Onkels sein, mit denen man nicht so vertraut ist oder auch ein Über-den-Kopf-streicheln eines Verwandten, Bekannten oder Lehrers.
  2. Wissensvermittlung – Unsere Erfahrungen sind, dass Eltern leider nur selten mit ihren Kindern über das Thema der körperlichen Grenzüberschreitungen bzw. der sexualisierten Gewalt sprechen. Demzufolge geht es in diesem Teil um die Vermittlung von Grundwissen. Außerdem tragen die Schülerinnen und Schüler in einem „Brain-Storming“ zusammen, was ihnen zum Thema sexueller Missbrauch einfällt.
  3. Lernen am Modell – In diesem Teil zeigen wir den Kurzspielfilm „Abgehauen“. In diesem Film geht es um die elfjährige Vanessa, die von zu Hause weggelaufen ist. Die Hauptdarstellerin Lotte macht sich auf die Suche nach ihrer Mitschülerin, unterstützt von Ömür, einem ausländischen Jungen aus ihrer Klasse. Im Verlauf des Filmes wird deutlich, dass Vanessa von ihrem Vater geschlagen und auch sexuell missbraucht wurde.Die Kinder werden durch diesen Film auf Gefahren des sexuellen Missbrauchs in der Familie und ihrem näheren Lebensumfeld aufmerksam gemacht. Der Film motiviert sie aber auch, sich für die eigenen persönlichen Rechte oder für die ihrer Freunde einzusetzen, macht Mut zum Widerstand und ermuntert die Kinder, sich mitzuteilen und Hilfe zu suchen.
  4. Wo kann ich Hilfe bekommen? – Im letzten Teil des Vormittags geht es um das Aufzeigen der verschiedenen Hilfsmöglichkeiten. Wir weisen auf die verschiedenen Beratungsstellen und Einrichtungen in der Nähe der Schule sowie auch auf das Kinder- und Jugendsorgentelefon hin und überreichen allen Mädchen und Jungen ein kleines Geschenk, das die wesentlichen Informationen altersgerecht und zum nochmaligen Nachlesen zusammenfasst.

Wie bereits erwähnt, ist das Thema der sexualisierten Gewalt in den Familien nach wie vor tabuisiert und nur ein bis zwei Eltern pro Klasse sprechen mit ihren heranwachsenden Kindern darüber. Es ist äußerst wichtig, dass wir als Familienberatung auf diesem Gebiet präventiv arbeiten, denn nur wissende Kinder sind auch geschützte Kinder!

Bericht: Freya WolfFamilienberatung