Urlaubsbericht der Therapeut. Mädchenwohngruppe

Projekt: „Selbst, Ego und Ich. Eine Rückkehr zu Körper und Sprache. Eine Therapeutische Mädchenfreizeit.“

Unsere Mädchenwohngruppe in den FerienUnsere Therapeutische Mädchenwohngruppe des Kinder- und Jugendheimes „Johann Heinrich Pestalozzi“ betreut derzeit acht jugendliche Mädchen im Alter von 13 bis 17 Jahre, welche unter anderem seelisch behindert beziehungsweise von einer seelischen Behinderung bedroht sind. Die stationäre Wohngruppe soll dabei vordergründig einen Schutzraum vor Gewalt und Missbrauch bieten und mithilfe verschiedener Therapieangebote und der kontinuierlichen Förderung der individuellen Ziele auf ein eigenständiges Leben vorbereiten.

Ebenso sind wir bestrebt, unseren Mädchen eine sinnvolle Freizeitgestaltung und das Erleben neuer Dinge zu ermöglichen. Dazu gehört unter anderem eine jährlich stattfindende Ferienfahrt in den Sommerferien.

Dieses Jahr haben wir unsere Ferienfreizeit in der Gemeinde Borkow im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland) erlebt.

Aktion Kindern Urlaub schenkenDank der Spendenmittel der „Aktion Kindern Urlaub schenken“ haben wir in insgesamt zwölf Tagen sehr viel gesehen, erlebt und gelacht. Daher schon einmal ein großes Dankeschön vorab.

Im Folgenden möchten wir Ihnen gerne einige Einblicke geben, was wir während unserer tollen Ferienfahrt alles erlebt und gesehen haben.

Borkower SeeDie kleine Gemeinde Borkow liegt inmitten einer wundervollen Seenlandschaft. Auch in direkter Nähe unsere Pension „Haus am Walde“ lag ein schöner kleiner See, an welchem wir so manche Nachmittage und Abende in harmonischer und idyllischer Atmosphäre verbracht haben. Dort konnte man ideal vom Alltag abschalten und die Seele baumeln lassen. Auch die sportlichen Aktivitäten wie Badminton- und Volleyball spielen, trugen zu einem ausgelassenen Miteinander bei. Besonders für unsere Mädchen ist dieses Heraustreten aus dem Alltag und das Zusammenspiel von Natur, Körper und einem friedlichen Miteinander sehr bedeutsam und pädagogisch sehr wertvoll.

Das von uns bewohnte Haus verfügte über schön eingerichtete Zimmer, einer großen Gemeinschaftsküche, einen großen Grundstück mit Terrasse, Tischtennisplatte und Grillmöglichkeiten. Die Besonderheit der Pension war, dass im gesamten Haus sämtliche Schätze und Andenken der ehemaligen DDR ausgestellt waren, wodurch unsere Jugendlichen die Möglichkeit hatten, sich mit der Geschichte Deutschlands und somit ihrer Eltern näher auseinanderzusetzen.

Aufgrund der Größe des Grundstückes und der vielfältigen Möglichkeiten haben wir auch hier sehr viel Zeit zum Entspannen, Spielen und für gemeinsame Koch- und Gesprächsrunden verbracht. Mit leckerem Stockbrot und Marshmallows haben wir uns zudem den einen oder anderen Abend am Lagerfeuer zusätzlich „versüßt“.

Badespaß an der OstseeDa die Ostsee von unserer Unterkunft nur etwa eine Autostunde entfernt lag, nutzten wir an zwei sonnigen Tagen die Gelegenheit die Insel Poel und Kühlungsborn zu erkunden.

Besonders schön war dabei zu beobachten, dass einige unserer Mädchen zum ersten Mal das Meer gesehen und Salzwasser geschmeckt haben.Dieses erstmalige Erlebnis haben sie in vollen Zügen genossen.

Wasserwanderung über den Borkower SeeEin weiteres Highlight war eine vierstündige Wasserwanderung über den Borkower See und den Mildenitzkanal, welchen wir mit einem großen Kanu, vorbei an Sümpfen und Biberburgen, überquerten. Bei dieser Tour kamen einige unserer Mädchen an ihre Grenzen, was aus pädagogischer Sicht sehr wertvoll war. Diese Grenzerfahrungen reichten von der nachlassenden Armkraft bis hin zu der Tatsache, dass man vier Stunden gemeinsam mit Anderen auf einem Boot aushalten muss und es nicht so einfach verlassen konnte.

Des Weiteren mussten Aufgaben klar verteilt werden (paddeln oder steuern) und Abläufe (gleichmäßiges, abgestimmtes paddeln) klar kommuniziert und eingehalten werden. Denn nur so kam man als Gruppe voran und letztendlich ans Ziel. All diese Umstände haben dabei das Gemeinschaftsgefühl, das Durchhaltevermögen und die Kommunikation untereinander positiv verstärkt.

Eine abendliche Waldwanderung hat den Mädchen gezeigt, welche Ruhe und Harmonie die Natur ausstrahlen kann. Ziel war unter anderem die Jugendlichen dafür zu sensibilisieren, dass die Natur als etwas Schönes, Friedvolles aber auch als Ressource in schwierigen Situationen (Schutz und Rückzugsmöglichkeit) wahrgenommen werden kann und gerade deswegen respektvoll behandelt werden muss.

Besuch des Güstrower und Schweriner SchlossesNeben diesen naturnahen Aktivitäten haben wir uns auch kulturell bereichern lassen. Dabei stand ein Besuch des Güstrower und Schweriner Schlosses auf dem Programm, bei welchem wir uns von den pompösen und faszinierenden Gebäuden, Ausstellungsstücken und den wunderschönen Schweriner Schlossgarten bei einem Rundgang beeindrucken ließen.

Besuch des Klosters DobbertinDes Weiteren besuchten wir das Kloster Dobbertin, welches heute als Wohn- und Arbeitsstätte für Menschen mit Behinderungen dient. Während einer Führung durch das Klostergelände wurden uns die geschichtliche Entstehung sowie die früheren Lebensformen und Tagesabläufe der Mönche und Nonnen näher gebracht.

Im Mittelpunkt dieses Ausfluges stand das Thema der Stille und Ruhe als Strategie der Lebensbewältigung.

Einen Tag unserer Ferienfahrt widmeten wir dem Thema Wellness und Entspannung. Für unsere Mädchen ist es sehr wichtig ein gutes Körpergefühl für sich selbst zu entwickeln und vor allem ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Im Rahmen dieses Hintergedankens haben wir einen Tag in einer Wellnessoase mit verschiedenen Sauna- und Badelandschaften verbracht. Hier haben wir uns von Kopf bis Fuß verwöhnen lassen. Natürlich kam hierbei der Spaß auch nicht zu kurz. Am Abend haben wir zusätzlich verschiedene Massagetechniken aneinander durchgeführt, um einerseits Körperkontakt als etwas Angenehmes wahrzunehmen und andererseits sich selbst in der Position wahrzunehmen, jemand Anderem etwas Gutes zu tun.

Unsere Mädchen im Schweriner SchlossgartenEines unserer wichtigsten Ziele als Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung ist die soziale Integration unserer Jugendlichen in die Gesellschaft. Um diesen Leitgedanken auch bei unserer Ferienfahrt nicht außer Acht zu lassen, haben wir an einem Abend das Inselseefest in Güstrow besucht. Dieser Abend kann als eines der Höhepunkte der Ferienfahrt betrachtet werden, da alle ausgelassen zur Musik getanzt, gelacht und freudestrahlend den Abend genossen haben. Des Weiteren nutzten einige Mädchen die Möglichkeit, sich mit einem Kran 70 Meter in die Höhe ziehen zu lassen und auf einer Plattform die Aussicht des Festgeländes und des Güstrower Sees zu genießen. Diese Aktion ist sehr positiv und wertvoll für die weitere Entwicklungsmöglichkeiten zu werten, da sich einige Mädchen ihrer Angst gestellt und im Anschluss die Erfahrung gemacht haben, dass es manchmal doch gut ist, über seinen eigenen Schatten zu springen und etwas Neues zu wagen. Eigenschaften wie Angst, Scham, Zurückhaltung oder mangelndes Selbstbewusstsein, welche im normalen Alltag immer wieder Thema sind, waren speziell an diesem Abend nahezu verschwunden.

Schließlich besuchten wir zu guter Letzt den Hansa-Park, was in den Augen unserer Jugendlichen der absolute Höhepunkt unserer diesjährigen Ferienfahrt war. Die Fahrattraktionen konnten gar nicht hoch, schnell und verrückt genug sein. Die Freude und Begeisterung über das Erlebnis im Freizeitpark war allen anzusehen und ließ keinen Platz für alltägliche Sorgen und Probleme.

Wir wollen uns im Namen der gesamten Mädchenwohngruppe bei allen Spenderinnen und Spendern der „Aktion Kindern Urlaub schenken“ vielmals für die Förderung unserer Ferienfahrt bedanken, denn diese Spendengelder haben zu einem großen Teil dazu beigetragen, dass unsere Ferienfahrt aufgrund der Vielzahl von Ausflugzielen zu einem unvergesslichen Urlaubserlebnis geworden ist.

Vielen herzlichen Dank!

Die Therapeutische Mädchenwohngruppe